Schwäbisches Tagblatt:

Heilung ist Hingabe an Gott

Schwaebisches Tagblatt 12_03_04.pdf




Hamburger Morgenpost:

FILM DER WOCHE
ZÉ - HEILUNG IN DEN UNSICHTBAREN WELTEN
Auf den Spuren esoterischer Heiler: Aus subjektiver Sicht schildert der Schweizer Psychologe Sebastian Elsaesser in seinem Film "Zé" seine eigene Heilungssuche bei brasilianischen Geistheilern. Sie arbeiten mit oft blutigen Methoden, um mit Schockzuständen Heilungskräfte freizusetzen. Die beunruhigenden Bilder ziehen einen tief hinein in völlig fremde Erfahrungswelten (Abaton). GIESELA KRUSE





Live Hamburg, Das Stadtmagazin vom Hamburger Abendblatt:

Jenseits des Rationalen

"Zé" dokumentiert die Arbeit von zwei deutschen Geistheilern

Wer sind oder waren Dr. Fritz und Dr. Arikson? Zwei deutsche Ärzte, die zu Lebzeiten Graumsames getan haben und nun als Geistwesen in Brasilien ihre Schuld als Heiler abarbeiten.

Der Psychotherapeut Sebastian Elsaesser und der Schweizer Filmemacher Kamal Musale sind ihnen immer wieder begegnet. Sie operieren mit Kugelschreibern, rammen ihren Ptienten Scheren ins Fleisch, ohne Narkose. Die Menschen überstehen es ohne Schmerzen. Woran sich zwei Fragen entzünden, von denen nur eine konkret beantwortet wird. Warum, fragt sich Elsaesser, sind diese Operationsmethoden so brutal? Und Dr. Arikson läßt durch sein Medium zerknirscht gestehen: weil sie noch von der Kriegsmedizin geprägt seien.
Dass man in dieser Dokumentation auf den ruhelosen Geist eines ehemaligen Nazi-Arztes trifft, ist eher eine Überraschung. Obwohl es ein Medium von dessen Vorgänger Dr. Fritz war, das Elsaesser bei drohender Erblindung mit einer Injektionsnadel ins gesunde Auge stach. Nach diesem Schock veränderte sich die Wahrnehmung des Forschers, der in "Zé" über eben dieses Thema reflektiert.

Aus der Konfrontation mit einer Welt jenseits des Rationalen entstand ein Filmessay, in dem Elsaesser über seinen Weg zur inneren Wahrnehmung meditiert, um zu dem Fazit zu gelangen: Die Selbstheilungskräfte sind unergründlich. GABRIELE MEIERDING





Spuren - Magazin des neuen Bewusstseins, Winterthur:

HEILUNG IN DEN UNSICHTBAREN WELTEN

Ein Psychotherapeut sucht Heilung in Brasilien und kehrt verändert zurück.
Von Claude Jaermann

Dieser Film rüttelt an meinem Verstand. Obwohl ich bereits mehr als einmal brasilianische Heiler gesehen habe, die in Trance unmögliche Operationen durchführen. Zé - Heilung in den unsichtbaren Welten geht einen wichtigen Schritt über Effekt haschen wollende Beweise hinaus zu dem, was diese Heiler so drauf haben. Auch in diesem Film werden unzählige Behandlungen gezeigt, die jenseits unseres Vorstellungsvermögens liegen. Wir werden Zeuge wie Heiler ohne medizinisches Fachwissen mit Kugelschreibern, Skalpellen oder blossen Fingern, ohne Anästhesie und Antisepsis, an Patienten rumwerken und auf einer Ebene heilen, die unser westlich-analytischer Verstand schwer verstehen kann. In Trance, unter Einfluss von Geistwesen, die sich vorübergehend in ihnen verkörpern, wirken diese Heiler auf körperlicher und vor allem geistig-spiritueller Ebene. Doch vor allem lädt dieser Film ein, bekannte Denkmuster hinter sich zu lassen und sich für diese uns so ungewohnte Welt zu öffnen. Eine Welt, die im wahrsten Sinne des Wortes jenseits von dem ist, was wir hier als Realität wahrzunehmen glauben.

VER-RÜCKT
Im Film begleiten wir den deutschen Psychotherapeuten Sebastian Elsaesser, der uns seine sehr persönliche Geschichte erzählt. Er droht zu erblinden und sucht, nachdem ihm weder Schulmediziner noch Naturärzte helfen konnten, Heilung in Brasilien. Mit der Zeit begreift er, dass es bei dieser Reise nicht nur um physische Heilung geht, sondern um einen kompletten Umwandlungsprozess, der seine Wahrnehmung von Grund auf verändern wird. Als Psychotherapeut hat Sebastian Elsaesser Erfahrung mit Menschern an der Grenze zum Wahnsinn.

Nach seinem Studium und verschiedenen Auslandsaufenthalten half er in Deutschland beim Aufbau einer Klinik für psychosomatische Medizin mit. Er behandelte dort als stellvertretender Leiter und entwickelte einen Ansatz zur Behandlung von Borderline-Patienten.

In den Gesprächen mit brasilianischen Heilern wird die Parallele zu seiner Arbeit in Deutschland erlebbar. Viele Heiler hatten schon in ihrer Kindheit seltsame Visionen und Träume, mit denen sie oft alleine fertig werden mussten. Erst als sie sich den geistigen Mächten öffneten und sie zuliessen, fanden sie wieder Halt. Ein Heiler meint gar, dass er ohne dieses Zulassen vermutlich in der Irrenanstalt gelandet wäre. Unser westlicher psychiatrischer Ansatz müsste demnach komplett in Frage gestellt werden, da man ja alles versucht, um diese fremden Mächte zu eliminieren. Allen brasilianischen Heilern gemein ist die Tatsache, dass sie tagsüber in normalen Berufen arbeiten und abends und nachts als Dr. Fritz oder Dr. Arikson massenhaft Menschen behandeln. Und: Wer kostenlos diese Gnade erhalten hat, muss sie auch kostenlos weitergeben, lautet dabei ihr Grundsatz.

JENSEITIGE MÄCHTE
Brasilien ist ein modernes Land mit einer einmaligen Mischung aus indianischer, afrikanischer und eurpäischer Kultur. Mit der tiefen Emotionalität seiner Bewohner und der Verbindung zu den Toten und beseelten geistigen Welten gehören Geistheiler hier zum täglichen Leben. Auch die katholische Kirche vermag dies nicht zu verhindern. Im Gegenteil. Die tiefe Religiosität hilft Brücken zu schlagen zwischen diesen Welten. Die Verbindung mit den Toten ist hier lebendig und spürbar.

Die Behandlungsräume sind voller Menschen. Kinder, Erwachsene, Reiche, Arme - sie alle suchen Hilfe und bereiten sich auf ihre Heilung vor. Dieses Warten und Beten ist mindestens so wichtig wie der eigentliche Behandlungsakt. Durch diese Vorbereitung wird ein starkes Energie-Kraftfeld aufgebaut, das von allen Teilnehmenden kreiert und getragen wird. Doch Glaube ist nicht gleichbedeutend mit Heilung. Es kommt oft vor, dass Menschen mit starkem Glauben keine Heilung erfahren, und solche, die ungläubig sind, geheilt werden. Sebastian Elsaesser erläutert im Film denn auch: "Je weniger eine Person die Heilung vom Heiler erwartet, desto grösser ist die Chance, von der Gnade des Heilens berührt zu werden." Doch was ist Heilung überhaupt?

Der charismatische Psychotherapeut führt viele mögliche Erklärungsmuster vor. Einer lautet: "Heilung ist der Verzicht auf Fesselung durch Krankheit." Ein anderer: "Heilung ist Öffnen der Pforten der inneren Wahrnehmung."

Die Kraft und die Macht, die von den Heilern ausgehen, sind im Film wahrnehmbar. Sie strahlen etwas Unheimliches und Bedrohliches aus. Dieses Nichtzuverstehende liess mich in der Nacht nach dem Betrachten von Zé nicht schlafen. Sebastian Elsaesser bemerkt: "Diese andere Welt, aus der diese Geistwesen kommen und wirken, ist mindestens so wild, wie die sichtbare Welt." Auffallend ist auch, wie viele Medien nicht altersbedingt, sondern bei Autounfällen ihr Leben lassen mussten.

BEWEGENDE BILDER
Die stärksten Momente im Film sind die Gespräche mit den Heilern im Tagesbewusstsein und in Trance. Wir erfahren, weshalb so viele deutsche Ärzte als Geister sich in brasilianischen Medien inkorporieren. Angesprochen auf die teilweise martialische Behandlungsweise, die an eine Kriegsmedizin erinnert, oft symbolische Züge hat und niemanden verletzt, sagt ein Heiler in bewegenden Worten: "Ich habe mich noch nicht weiter entwickelt. Ich bin immer noch aggressiv und im Reflex, was damals geschah ...".

Ursprünglich wollte Sebastian Elsaesser lediglich seine Seminare über veränderte Bewusstseinszustände illustrativ aufwerten. Innerhalb von sieben Jahren enstand jedoch in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Filmemacher Kamal Musale ein tiefgründiges Meisterwerk, eine bewegte und bewegende Reise in die Welt des Unbekannten. Keine wissenschaftlichen Theorien über Krankheit und Heilung. Dafür begegnen wir Werten wie Demut, Hingabe und der Dienst am Nächsten.