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Zum Inhalt des Filmes
(verfasst von Rainer Ruhland)
Ein Deutscher droht zu erblinden und sucht, nachdem ihm weder Spezialisten noch Heilkundige helfen konnten, Heilung in Brasilien. Bald begreift er, dass es bei dieser Reise nicht nur um physische Heilung geht, sondern, um einen kompletten Umwandlungsprozess, der seine Wahrnehmung von Grund auf verändern wird.
Als Psychotherapeut hat Sebastian E. Erfahrung mit Menschen an der Grenze zum Wahnsinn. In Brasilien erlebt er Heilungen, die im versachlichten deutschen Gesundheitswesen genauso undenkbar sind wie in der sanften Naturmedizin, so wie wir sie gemeinhin kennen.
Dadurch, dass er sich mit dem Schweizer Filmemacher Kamal Musale zusammentut, ermöglicht Sebastian E. auch uns, Zeuge zu werden. Über einen Zeitraum von sieben Jahren gedreht, erleben wir, wie sich Geistwesen, also die Seelen von Verstorbenen, vorübergehend in einfachen Menschen verkörpern und durch diese Medien, die sich in Trance befinden, "hindurch" behandeln. Wir sehen, wie sie mit Kugelschreibern, Scheren, Skalpellen und ohne Antisepsis und Anästhesie operieren. Erschrocken halten wir uns immer wieder die Hand vors Auge, um dann festzustellen, dass die teilweise martialische Herangehensweise niemanden verletzt, oft symbolische Züge hat und offenbar Heilung und Erleichterung bringen kann. Und je tiefer wir in diesen Film hineingleiten, desto mehr wächst unser Vertrauen, und so überschreiten wir auch als Zuschauer Grenzen und fangen an, Heilung von einem neuen Standpunkt aus wahrzunehmen.
In Brasilien mit seiner Mischung aus indianischer, afrikanischer und europäischer Kultur, mit der tiefen Emotionalität seiner Bewohner und der Verbindung zu den Toten und beseelten geistigen Welten, gehören Geistheiler zum täglichen Leben. Oft unentgeltlich arbeitend, haben sie großen Zulauf. Besonders bekannt als Geistwesen, die sich in den Körper der Heiler begeben, sind deutsche Ärzte wie "Dr.Fritz".
Dieser Film hat nicht den Anspruch, uns all das zu erklären - dafür erlaubt er uns erkennendes Fühlen und legt Fährten, die jedem Zuschauer erlauben, eigene Schlüsse zu ziehen. Wer sich mit allen Sinnen hinein begibt und das tiefe Gottvertrauen in den Gesichtern der Erwachsenen und Kinder sieht und wer aufmerksam den Antworten der Geistwesen im "Interview" lauscht, der begreift schnell, dass unsere normalen, logischen Konzepte hier nicht greifen. Stattdessen zählen Werte wie Demut, Hingabe, Einfachheit und der Dienst am Nächsten. Und doch ist es keine esoterische Welt, die uns im Glauben lässt, dass heilende Kräfte immer nur sanft sind.
Zé verzichtet auf äußere "wissenschaftliche Theorien" über Krankheit und Heilung, sowie auf "Beweise" für Heilungen in Form von vielen Krankengeschichten. Stattdessen wird uns vom Werdegang der Heiler und von ihrem Verhältnis zu den Geistwesen erzählt. Wir spüren deutlich, wie der Umgang mit den Heilern das Leben von Sebastian E. verändert, ohne dass wir hinterher all das über ihn wissen, was uns immer weiter von den wirklichen Fragen entfernt. Wir werden in eine andere Realität geführt, die uns andere Fragen stellen lässt.
Wir sind zutiefst berührt, Kinder in der Behandlung zu sehen und erklärt zu bekommen, dass ihre alte Seele durch die Bewältigung der Krankheit Erfahrungen bewältigt. Wenn wir erfahren, dass auch Glauben nicht unbedingt das Kriterium für Heilung ist, und wenn wir erkennen, dass Heilung nicht immer mit physischer Heilung identisch sein muss, dann sind das Themen, die uns auch in Deutschland beschäftigen. Und wenn ein Medium in Trance aufdeckt, warum ausgerechnet die Seelen so vieler verstorbener deutscher Ärzte hieran beteiligt sind und welche Zusammenhänge aus Geschichte und Gegenwart bestehen, dann frösteln wir und spüren, wieso uns dieser Film so trifft.
Dieser Film lässt niemanden kalt. Zé führt uns durch Gefühle und zu grundsätzlichen Fragen. Und deshalb ist es ein wichtiger Film.
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Bemerkungen des Autors
Sebastian Elsaesser
Seit 1985 bin ich jedes Jahr in Brasilien, das Schicksal hat mich dorthin geführt, am Anfang gegen meinen eigenen Widerstand.
Halbblind, ohne Sprache und ohne Rückhalt, bin ich dort einem Pfad ins Unbekannte gefolgt. Ich machte dort eine zweite Sozialisation durch und konnte dabei die brasilianische Kultur von innen heraus kennen lernen. Mit der Zeit wurde es mir möglich, dieses Erleben mit einem phänomenologischen Erforschen veränderter Bewusstseinszustände zu verbinden.
Dabei habe ich mich Kräften und einer Fülle von Erfahrungen ausgesetzt, die von mir in der Erforschung abverlangten, diesem unverständlichen Geschehen in innerer Stille standzuhalten und erst einmal furchtlos zu begegnen. Gleichzeitig erforderten diese Zustände Standfestigkeit, Nüchternheit, Abgrenzungsfähigkeit, eine sich erneuernde Unvoreingenommenheit. Denn das Wesentliche geht weit über das hinaus, was ich mir logisch erschließen kann.
Im Laufe der Jahre habe ich verschiedenste Rollen eingenommen, als Patient, als Person, die sich in die unterschiedlichsten Fühl- und Denkweisen einlebt, als Begleiter von Kranken, Berater von Heilern, als kritischer Fragensteller, als Helfer bei Behandlungen etc. Ich bin Zeuge von über 30.000 Behandlungen gewesen und habe zahlreiche Patienten nach ihren Behandlungen weiterbegleitet. Verbürgte Heilungserfolge, aber auch das Fehlen jeder Besserung gehören genauso dazu wie die vielen Heilungsgeschichten, die zum kulturellen Mythos gehören. Auch habe ich längere Zeit im täglichen Leben mit den Heilern und Wohltätern gelebt.
Es war mir nicht möglich, die Fülle von Erfahrungen in Deutschland und Europa in irgend einer Form angemessen zu vermitteln. Bis dahin hatte ich mich dagegen gewehrt, auch nur Photografien von diesen Tätigkeiten zu machen.
Nach den ersten kurzen bemerkenswerten Begegnungen mit Kamal und dem spontanen Entschlußz, ein Video als Bereicherung für meine Seminare über veränderte Bewußtseins-zustände zu drehen, dauerte es noch lange, bis mich Kamal in Brasilien aufsuchte. Zu dieser Zeit hatte ich bereits die Arbeit mit den Heilern hinter mir gelassen und war mit ganz anderen Themen beschäftigt. Als ich Kamal kurz nach seiner Ankunft mit schlechtem Gewissen mitteilte, ich hätte das Interesse an dem Filmprojekt verloren, bewegte er sich spontan auf mich zu und meinte: "Dann können wir ja anfangen," denn er habe befürchtet, ich sei zu enthusiastisch für ein solches Projekt. Eine Stunde später haben wir angefangen zu arbeiten, und ich habe Kamal in die Welt des Heilens mitgenommen.
Ich stimmte allmählich zu, nicht nur objektive Tatsachen in das Dokument aufzunehmen, sondern auch mit intimen Vorgängen in mir selbst und Einsichten zu arbeiten, die ich ursprünglich für mich behalten wollte.
Der Film ist ein Versuch, meinen Weg in Brasilien in einfacher Form nachzuzeichnen und in schöpferischer Form zu reproduzieren. Wesentlich ist dabei der Versuch, Erfahrungen aus einem sprachfreien Raum in Wort, Ton und Bild zu übersetzen und in freier Form auszudrücken.
Wir hatten über 40 Stunden filmisches Rohmaterial zu verarbeiten. Unsere oft unterschiedlichen Sichtweisen und professionellen Notwendigkeiten haben dennoch dazu geführt, dass wir jede Entscheidung für den Film letztlich gemeinsam getroffen haben.
Zahlreiche Interviews mit Patienten haben wir erst relativ spät aus dem Film herausgenommen, die katamnestischen Untersuchungen waren nicht objektiv genug und hatten für den Film mehr illustrativen Charakter. Der Verzicht darauf hat es ermöglicht, den Blick auf die Heiler und auf andere Aspekte des Heilens, des Bewusstseins und der Bedeutung dieser Aktivitäten in ihrer Vielfältigkeit zu richten.
In Brasilien bin ich mit Kräften konfrontiert worden, denen man in ihrer Intensität und Ungewohntheit kaum in voller offener Bewusstheit standhalten kann. Wie andere veränderte Bewusstseinszustände, werden sie traumartig und durch das Unbewusste abgewehrt und treten schnell in den Hintergrund.
Die Aufgabe, den Film fertig zu stellen, ermöglichte auch das vielfache Durcharbeiten meiner persönlichen Geschichte im Sinne einer Rekapitulation der Erfahrungen der Vergangenheit. Dies hat nicht nur zum größeren Schauen beigetragen, die persönliche Geschichte löste sich dabei zunehmend auf und ist jetzt nicht mehr "meine" Geschichte, sondern eine Geschichte in der Welt ...
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Bemerkungen des Regisseurs
Die erste Fassung dieses Dokumentarfilms diente als Grundlage für eine Sendung des Westschweizer Radios (RSR, Espace 2). Kurze Zeit vorher hatte ich eine Begegnung mit Sebastian Elsaesser und beschloss daraufhin, ihm nach Brasilien zu folgen, um mich näher mit den bedeutenden brasilianischen Geistheilern zu befassen. Dabei hatte ich lediglich den Wunsch, gewisse unsichtbare Phänomene, denen ich schon vorher unter anderen Umständen begegnet war, besser zu verstehen.
Während der Tonaufnahmen und Interviews für die 90 Minuten dauernde Radiosendung filmte ich einige Vorgänge in Super-VHS im Sinne einer Standortbestimmung. Die Bilder sollten als Anschauungsmaterial für die Seminartätigkeit von Sebastian Elsaesser in Europa dienen und als Dokumente für die Finanzierung eines mit einem professionellen Team zu drehenden Dokumentarfilms mit dem Titel "Brasilianische Heiler".
Das Thema stieß bei den deutschen und französischen Co-Produzenten auf großes Interesse. Das Fernsehen hingegen war sehr skeptisch, da ich von einer sehr subjektiven Sicht der Dinge ausgehen wollte, was nicht der im Fernsehen gängigen "objektiven Reportage" entspricht. Der Film konnte deshalb nicht auf diese Weise finanziert werden.
Wir beschlossen dennoch, den Film weiterzudrehen, doch mit Amateurmaterial und ohne Team. Dadurch wurden die Kosten erheblich gesenkt, und das gefilmte Material wurde "roher" und kam der Wirklichkeit näher. Das Unternehmen war gewagt, weil es damals noch keine digitalen Kameras gab und das Fernsehen im Prinzip dieses Material nicht akzeptierte. Ich dachte auch daran, dem Film "Broadcast"-Bilder beizumischen, um so die verschiedenen Ebenen sichtbar zu machen, je nachdem ob es sich um die Reportage der Behandlungen (Video) oder die Rekonstruktion von Sebastians Vergangenheit, (Super-8-Film als Roadmovie und während seiner Augenerkrankung, 16mm-Film danach und in der Gegenwart) oder um frühere Begebenheiten (Zeichnungen und schwarz-weiß Fotos) handelte. Der Einsatz dieser verschiedenen Träger sollte nicht zu einer Konzeptualisierung des Films führen - was den Zuschauer unvermeidlich distanziert -, sondern die verschiedenen zum Verständnis der Geistheilung nötigen Ebenen unterscheidbar machen und eine einzige begrenzte Sicht ausschließen.
Während der Arbeit baute ich mit Sebastian die Filmstruktur in Form eines kurzen Drehbuchs auf. Die Schwierigkeit bestand vor allem darin, sein vergangenes Abenteuer darzustellen und ihn gleichzeitig als Leitfigur sichtbar werden zu lassen. Wir versuchten, die Bilder für sich sprechen zu lassen und die Vergangenheit als Rekonstruktion und die Gegenwart als zeitgenössische Reportage erkennbar zu machen. Eine weibliche Off-Stimme sollte Sachinformationen geben, und eine andere Stimme die persönlichen Überlegungen Sebastians darlegen. Diese Rollenverteilung schien jedoch der Dramatisierung abträglich zu sein. Ich habe dann Sebastian vorgeschlagen, den Off-Text und damit auch seine Geschichte und Einsichten mit seinen eigenen Worten zu schreiben, anstatt sie, wie in den früheren Versionen des Drehbuches, aus meiner Sicht zur Darstellung zu bringen.
Ausgehend von der bis dahin vorhandenen Konstruktion des Filmes, schrieb Sebastian in einem langen, wechselseitigen Prozess den Text des gesamten Drehbuches. Dabei ermutigte ich ihn, auch seine Erfahrungen und sprachlich schwer fassbare Phänomene in möglichst schlichter Sprache auszudrücken und mit einer für die Dramatisierung des Filmes notwendigen weitreichenden Synthese in Einklang zu bringen. Es war für uns beide eine große Herausforderung, Sebastians subtile persönliche Erlebnisse und Forschungen in adäquater Weise für den Film zum Ausdruck zu bringen. Während dieses Prozesses wurde uns bewußt, daß seine Geschichte als wesentliches Thema in den Vordergrund treten und mit dem ursprünglichen Thema der brasilianischen Heiler verknüpft werden sollte. Die nur schwer zu lösende Aufgabe bestand nun darin, mit dem vorhandenen filmischen Material beide Ebenen in der Konstruktion des Filmes zu einem Ganzen zu verbinden.
Eine weitere Herausforderung lag darin, daß der Film weder enthusiastisch für diese Art des Heilens werben, noch eine abwertende oder didaktische Abhandlung werden sollte. Dies versuchten wir im Schnitt zu berücksichtigen und die Bilder und Äußerungen für sich sprechen zu lassen.
In diesem Sinne war es auch konsequent, auf die vielen Interviews von Patienten zu verzichten, die wir über mehrere Jahre bei der Behandlung begleitet hatten. Stattdessen haben wir beschlossen, uns auf die Heiler zu konzentrieren, der Bedeutung ihrer Arbeit nachzugehen und ihre eigene Sicht zum Ausdruck kommen zu lassen. So kann sich der Zuschauer selbst eine Meinung bilden.
Das Resultat unserer Arbeit ist anders als ich ursprünglich erwartet habe, und es ist auch nicht vollkommen. Dennoch haben wir beschlossen, den Film in seiner jetzigen Form dem Publikum vorzustellen. Die Reaktionen bei den ersten Vorstellungen haben uns dazu ermutigt. Ich hoffe, dass der Film für das Publikum zu einer bereichernden emotionalen Erfahrung wird.
Kamal Musale
Regisseur
September 2001
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